Wochenschau

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Auf dieser Seite finden sich aktuelle Nachrichten aus und zu Marinen aus aller Welt, die aus Platzmangel oder wegen kurzfristiger Aktualität in der gedruckten Ausgabe entweder gar nicht erscheinen oder die wir wegen des frühen Redaktionsschlusses dort nicht in angemessenem zeitlichen Zusammenhang darstellen können und daher hier schon einmal vorweg nehmen.
Wir sind bemüht, diese Wochenschau möglichst jeweils Freitags spät nachmittags zu aktualisieren.

Daneben bieten wir interessierten und sprachkundigen Lesern die Möglichkeit, über die nachstehenden Links  auch direkt auf aktuelle Nachrichten der US Navy, der britischen Royal Navy, der französischen Marine und der russischen Marine zuzugreifen.

Für aktuelle Nachrichten aus der Deutschen Marine verweisen wir auf den animierten Link auf der rechten Seite      >>

Beim US-amerikanischen Marine-Nachrichten-Portal SeaWaves findet sich neben vielen anderen Inhalten auch eine Seite mit weltweit geplanten bzw. angekündigten Flottenbesuchen (auch deutscher Einheiten)

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Aktualisiert am 26. Mai 2017.              Nächste Aktualisierung - voraussichtlich - am 2. Juni 2017

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NAH-/MITTELOST

Die militärische/sicherheitspolitische Lage im Nahen-/Mittleren Osten bleibt vorrangig von der Bekämpfung des islamistischen Terrors und von den Bürgerkriegen in Syrien und Jemen bestimmt.

Natürlich gibt es daneben aber immer wieder auch Meldungen zu anderen martitimen Ereignissen und Entwicklungen in der Region.

  • bei 'IMX 2017' (Foto: US Navy)Vom 2.-18. Mai war das US Central Command/5th Fleet Ausrichter der Übung „IMX 2017“. An der zweiteiligen Übung in Manama (Bahrain) nahmen Vertreter von 20 Marinen und zivilen Öl-/Schifffahrtsgesellschaften teil. Einer einführenden Phase mit Ausbildung (academic training) zu diversen Bedrohungen (Minen, Flugkörper) folgte eine praktische Phase mit verschiedenen computer-simulierten Szenarios, die sich an „realen Ereignissen im Operationsgebiet der 5. US Flotte“ orientierten. Aktivitäten in See gab es bei „IMX 2017“ aber offenbar nicht.

  • In einer aktuellen Operation haben britische Special Forces (Special Boat Service, Royal Navy commandos) damit begonnen, in Häfen des Mittleren Ostens / der Golfregion in verdeckten Einsätzen die Unterwasserrümpfe aller für Fahrten nach Großbritannien bestimmten Flüssiggastanker zu inspizieren. Geheimdienste sollen Informationen erhalten haben, dass islamistische Terroristen an solchen Schiffen Sprengladungen anbringen wollen, die dann nach Eintreffen in einem britischen Hafen zur Explosion gebracht werden sollen.
     
  • Der amphibische Träger „Bataan“ der US Navy operiert weiterhin in Gewässern um die Arabische Halbinsel außerhalb des Persischen Golfes. In der ersten Maihälfte nahm er im nördlichen Roten Meer bzw. dem Golf von Aqaba an der jährlichen bilateralen Übung „Eager Lion“ mit den Streitkräften Jordaniens teil.

'Eager Lion 2017' (Foto: US Navy)

ISLAMISTISCHER TERROR IN SYRIEN UND IRAK

Bei der Bekämpfung des islamistischen Terrors in Syrien und Irak bleibt eine international übergreifende Koalition weiterhin Fernziel. Noch immer bestimmen divergierende Eigeninteressen zahlreicher Staaten sowie die Spaltung zwischen Schiiten und Sunniten die Entwicklung.

Im syrischen Bürgerkrieg erklärte „Sicherheitszonen“ (s.u.) werden von Russland auch als Flugverbotszonen verstanden. Die USA ignorieren dies, wollen ihre Kampfflugzeuge auch weiterhin „überall dort einsetzen, wo islamistische Terroristen zu bekämpfen sind“.

SYRIEN - IRAK: US-geführte Koalition (Operation „Inherent Resolve“)

Eine US-geführte multinationale Koalition setzt mit Operation „Inherent Resolve“ Luftschläge gegen islamistische Terrorgruppen im Irak und in Syrien fort. Ziele sind Kommandozentren (Führungspersonen), Stützpunkte, Depots und von Islamisten kontrollierte Öl-Anlagen, daneben aber auch logistische Straßentransporte und Gruppen verlegender Kämpfer, die im Irak auf den Flüssen Euphrat und Tigris vor allem auch Boote nutzen. Viele Angriffe dienen der direkten Unterstützung (Close Air Support) irakischer Bodentruppen oder kurdischer Milizen - aktuell vor allem bei der seit Monaten dauernden und noch immer nicht abgeschlossenen Offensive zur Rückeroberung von Mosul. Zum Einsatz kommen US-Trägerkampfflugzeuge und von Flugplätzen der Golfstaaten, Jordaniens und der Türkei operierende Kampfflugzeuge und Drohnen der Streitkräfte zahlreicher Staaten. Die britische Royal Air Force nutzt ihre Basis in Akrotiri (Zypern).

Der US-Flugzeugträger „George H.W. Bush“ hat bei seinem Einsatz im Persischen Golf Anfang/Mitte Mai eine einwöchige Pause einlegt. In Dubai (Vereinigte Arabische Emirate) wurden notwendige Wartungsarbeiten durchgeführt, Verbrauchsgüter nachversorgt, und die die Besatzung konnte sich erholen. Seit dem 17. Mai ist der Flugzeugträger wieder in See und setzt nun erneut seine Kampfflugzeuge aus dem nordwestlichen Persischen Golf heraus gegen IS-Ziele in Irak und Syrien ein.
'George HW Bush' im Persischen Golf (Foto: US Navy)

SYRIEN: Russland – Türkei

Russland macht weiterhin keinen wirklichen Unterschied zwischen Islamisten und Oppositionsrebellen; alle gelten gleichermaßen als “Terroristen”. Nach wie vor erfolgen russische Luftangriffe in direkter Unterstützung syrischer Streitkräfte gerade auch in Gebieten, in denen keine islamistischen Milizen aktiv sind.

Die Türkei ist im Rahmen ihrer nationalen Kurdenpolitik neben dem Kampf gegen IS vor allem bemüht, auf Autonomie setzende syrische Kurden (auch von den USA unterstützte Milizen) zu „neutralisieren“ und möglichst weit nach Osten bis in den Irak abzudrängen.

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BÜRGERKRIEG IN SYRIEN

In den von Russland, Iran, Türkei und Syrien gemeinsam erklärten vier „De-Eskalationszonen“ werden nur einige wenige Zwischenfälle gemeldet, vor allem dort, wo islamistische Terroristen noch nicht gänzlich vertrieben werden konnten. Die vier Zonen liegen in westlichen Landesteilen (z.B. um Damaskus und Latakia), wo syrische Regierungstruppen mit Unterstützung Russlands, des Iran und der libanesischen Hisbollah in den letzten Monaten weitgehend die Oberhand gewonnen haben. Andernorts gehen die Kämpfe weiter.

Russland bewertet die Einrichtung der „De-Eskalationszonen“ als vollen Erfolg. Sie seien definitiv Basis für ein „Ende des Bürgerkrieges“ und böten die Chance, sich mehr auf die Bekämpfung islamistischer Terrormilizen fokussieren zu können (die von allen Feuerpausen ausgenommen bleiben). Bei einer im Juni in Astana (Kasachstan) geplanten neuen Gesprächsrunde soll auf diesem „Erfolg“ aufgebaut werden; man strebe einen umfassenden Waffenstillstand an.

Maritime Aspekte

Im östlichen Mittelmeer operiert weiterhin das von der russischen Schwarzmeerflotte geführte Ständige Mittelmeergeschwader (MedSqn) der russischen Marine. Zum Verband gehören zurzeit neben einigen Hilfsschiffen als Kampfeinheiten der neu zuverlegte Zerstörer „Smetliviy“, die Fregatten „Admiral Grigorovich“ und „Admiral Essen“ sowie der Minensucher „Valentin Pikul“. Die „Smetliviy“ passierte - mit der für den alten Zerstörer der KASHIN-Klasse typischen, kräftigen Rauchentwicklung - am 22. Mai den Bosporus in Richtung Mittelmeer.
'Smetliviy' im Bosporus (Foto: Bosphorus Naval News)

Die „Admiral Grigorovich“ soll dem Verband „bis zum Sommer“ zugeteilt bleiben; Schwesterschiff „Admiral Essen“, auf Überführungsfahrt aus der Ostsee zur Schwarzmeerflotte, dürfte dagegen nur vorübergehend zur MedSqn gehören. Vermutlich wird die Fregatte nach Abschluss von in diesen Tagen stattfindenden Übungen (s.u.) ihren Marsch in Richtung Schwarzmeer fortsetzen.

Das ebenfalls auf der Überführung aus der Ostsee ins Schwarzmeer befindliche, vierte für die russische Schwarzmeerflotte bestimmte U-Boot KILO-III-Klasse wird zurzeit nicht gemeldet; die „Krasnodar“ dürfte aber das östliche Mittelmeer erreicht haben. Der in den letzten Wochen ebenfalls im Mittelmeer befindliche Nordflottenzerstörer „Severomorsk“ ist dagegen in Richtung Heimat abgelaufen. Er ist schon seit Oktober unterwegs, hatte damals zusammen mit dem Flugzeugträger „Admiral Kuznetsov“ ins Mittelmeer verlegt, dann Afrika umrundet und war danach überraschend noch einmal ins Mittelmeer eingelaufen. Am 22. Mai passierte der Zerstörer die Straße von Gibraltar mit Kurs auf den Nordatlantik.

Meist stehen die Einheiten der MedSqn nur untätig vor der syrischen Küste in See. In diesen Tagen führen sie aber eine größere, vom Stellvertretenden Befehlshaber der Schwarzmeerflotte, VAdm Valery Kulikov, geleitete Übung durch. In einer ersten Phase stand am 23. Mai Verbandssicherung auf der Agenda. Zerstörer „Smetliviy“ und die beiden Fregatten begleiteten einen amphibischen Verband mit drei Landungsschiffen. Bei diesen handelte es sich wahrscheinlich um die zur Schwarzmeerflotte gehörenden „Nikolaj Filchenkov“, „Azov“ und „Tsesar Kunikov“, die in den letzten Tagen den Bosporus in Richtung Mittelmeer passiert hatten. Alle drei dürften mit militärischer Fracht auf dem Weg nach Syrien sein („Syrian Express“, s.u.) und ihre Fahrt für die Übung kurz unterbrochen haben. Im Rahmen ihres Schutzes übten die Kampfschiffe U-Jagd (mit dem o.a. U-Boot „Krasnodar“ als Ziel?) und Flugabwehr.

russisches Warngebiet 24.-27. MaiSeit dem 24. Mai (und noch bis zum 27. Mai) hat Russland im östlichen Mittelmeer ein größeres Warngebiet „für ein FK-Schießen“ erklärt. Aktivitäten wurden bisher nicht gemeldet, aber ein Schießen könnte auch erst als Höhepunkt am Abschluss der begonnenen Übung stehen. Anlage und Ausdehnung (120sm) des Gebietes könnten auf ein geplantes Seeziel-FK-Schießen aus der südöstlichen Ecke in nordwestliche Richtung deuten, aber natürlich ist auch Flugabwehr-FK-Schießen (oder beides) möglich. Russland hat übrigens im Mittelmeer schon mehrfach Warngebiete erklärt, in denen es dann überhaupt keine Aktivitäten gab.

Ungewöhnlich ist die Lage des nun erklärten Gebietes südlich von Kreta, vor der Küste Ostlibyens (frühere Warngebiete fanden sich zwischen Zypern und Syrien). Schon mehrfach hat Russland den Wunsch zu engeren Kontakte zum ostlibyschen (Tobruk) Machthaber Feldmarschall Haftar erkennen lassen. Erst im Januar hatte sogar der Flugzeugträger „Admiral Kuznetsov“ einen Abstecher vor die ostlibysche Küste gemacht, um diesen vor Tobruk an Bord zu begrüßen.

Mit Frachtumschlag im russischen Schwarzmeerhafen Noworossiysk (Anbindung an das russische Eisenbahnnetz), dauert die auch als „Syrian Express“ bezeichnete Lieferung von Rüstungsgütern nach Syrien und Nachschub für die dort eingesetzten russischen Truppen an. Jede Woche passieren mehrere Landungsschiffe der russischen Marine (auch dazu verlegte Einheiten der Nordflotte und der Baltischen Flotte) oder speziell für diese Transporte gebraucht in der Türkei und Deutschland gekaufte und teils als Hilfsschiffe in die russische Marine integrierte, ex-zivile Frachtschiffe den Bosporus süd- oder nordlaufend. Transportiert wird zurzeit vor allem Baumaterial für die begonnenen Arbeiten zur Erweiterung der russischen logistischen Basis in Tartus (Syrien). Dafür werden inzwischen vermehrt auch nicht unter russischer Flagge fahrende zivile Frachtschiffe gechartert.

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AUSTRALIEN

Beide Hubschrauberträger der australischen Marine sind zurzeit nicht einsatzklar.

Schon Ende März ließen Medienberichte aufhorchen, als keines der beiden Schiffe aus Sydney auslaufen konnte, um vor Queensland nach einem schweren tropischen Wirbelsturm Nothilfe zu leisten. Immerhin waren sie ja auch gerade für solche Einsätze beschafft worden. Damals hieß es nur vage, bei der „Canberra“ habe es während Hubschrauber-Erprobungen in See „ein Problem mit der Antriebsanlage“ gegeben. Die Ursachen seien identifiziert und man werde sie zügig beseitigen. Bei Schwesterschiff „Adelaide“ sei alles in Ordnung; man habe aber vorsichtshalber eine genaue Inspektion der betroffenen Anlagen angeordnet.
'Canberra' (MoDAUS)
Einen Monat später waren beide Schiffe noch immer aus dem Verkehr gezogen, aber Medien hatten inzwischen mehr Details erfahren. Demnach gab es Probleme bei den Hauptelementen der Antriebsanlage, jeweils zwei um 360 Grad schwenkbaren Propellergondeln (Azimuth POD) - oft auch als POD bezeichnet, Grafik: MoDAUSwas allerdings keine Abkürzung ist, sondern aus dem Markennamen POD der als „Erfinder“ geltenden finnischen Wärtsilä herrührt.

Mit Azimuth POD ausgerüstete Schiffe benötigen in der Regel keine Ruder, da die Gondeln Antrieb und Manövrieranlage in sich vereinen. Richtungsänderung erfolgt durch ihr Schwenken, wobei durch präzises Einstellen des Propellerstrahls bei niedrigen Schiffsgeschwindigkeiten (z.B. Anlegen) sehr gute Manövrierfähigkeit gegeben ist. Zugleich kann im Schiff - platzsparend - auf sonst übliche Antriebswellen verzichtet werden. Der Antrieb der Propeller in den Gondeln erfolgt elektrisch, wobei der benötigte Strom bei den australischen Hubschrauberträgern in einer CODAG (Combined Diesel and Gas Turbine)-Anlage generiert wird.

Medien zufolge soll die Ursache der Probleme mangelhafte Wartung und Ölwechsel mit nicht zugelassenem Öl gewesen sein. Die Marine weist dies strikt zurück; man habe stets peinlich genau alle Vorgaben des Herstellers eingehalten. Man habe allerdings im Ölkreislauf der „Adelaide“ Metallspäne gefunden, ein Hinweis auf übermäßige Abnutzung drehender Teile.

Während die „Canberra“ nach Prüfung, Instandsetzung und ausgiebigen Tests an der Pier in dieser Woche zu Probefahrten in See ausgelaufen ist, musste die „Adelaide“ am 17. Mai in Sydney „für unbestimmte Zeit“ eingedockt werden - sicher auch ein Hinweis darauf, dass die Probleme nicht bei der Stromerzeugung im Schiffsinneren, sondern in den unter dem Heck angebrachten Azimuth PODs zu suchen sind.

Die genauen Ursachen scheinen allerdings noch immer ungeklärt. Marinechef VAdm Tim Barrett will in einer öffentlichen Erklärung einen „grundlegenden Designfehler“ nicht ausschließen, aber Rüstunsminister Pyne weist dies strikt zurück: man habe es hier nur mit „Kleinigkeiten“ zu tun.

Azimuth POD Anlagen sind beileibe kein technologisches Neuland. Vor allem bei wirtschaftlich auf absolute Zuverlässigkeit angewiesenen großen Kreuzfahrtschiffen sind sie heute gang und gäbe, und auch bei der Designvorlage für die australischen Hubschrauberträger, der seit sieben Jahren in Dienst befindlichen spanischen „Juan Carlos I“, scheinen sie problemlos zu funktioneren. Bleibt die Frage: was ist bei den australischen Schiffen anders? Gibt es bei ihnen von üblichen Azimuth PODs abweichende Besonderheiten?

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CHILE

Das Verteidigungsministerium hat der chilenischen Marine genehmigt, die Beschaffung von zwei neuen U-Booten formell auf den Weg zu bringen.

Das Projekt ist nicht neu in der Marineplanung. Schon im vergangenen Jahr hatte die Marine die taktischen- und technischen Forderungen für neue U-Boote im Detail spezifiziert. Eine Forderung ist operative Einsatzfähigkeit bis spätestens 2025. Technische Details, ob z.B. ein außenluftunabhängiger Antrieb gefordert wird, wurden noch nicht veröffentlicht. Der jetzt sehr schnell zu erwartende, die internationale Ausschreibung einläutende „Request for Proposals“ dürfte hier aber schon demnächst Aufschluss geben.
chilenisches U-Boot TYP 209/1400 (Foto: Michael Nitz)

Ganz sicher werden die deutsche tkMS und die französische DCNS Angebote abgeben. Frankreich hat vor etwas mehr als zehn Jahren (damals in Joint Venture mit der spanischen Bazan) bereits zwei U-Boote der SCORPENE-Klasse nach Chile liefern können und wird u.a. mit der Möglichkeite einer Schaffung logistischer Standards punkten wollen. U-Boot-Beziehungen zu Deutschland reichen noch weiter zurück, und die geplanten zwei neuen U-Boote sollen zwei Anfang der 1980er Jahre bei der HDW in Kiel gebaute und allmählich das Ende ihrer Dienstzeit erreichende U-Boote TYP 209/1400 ersetzen.

Neben diesen beiden (möglichen) Vorreitern werden sich aber noch andere U-Boothersteller um den lukrativen Auftrag bemühen. Wer letztendlich den Zuschlag erhält, dürfte vor allem auch von der Bereitschaft abhängen, heimische chilenische Werften und Zulieferer am Vorhaben zu beteiligen; auch andere, mit dem eigentlichen U-Bootbau nichts zu tun habende „Spin-off“-Angebote könnten ausschlaggebend werden. Die Auswahl des Anbieters soll spätestens 2020 erfolgen.

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NORDKOREA

Mit immer neuen Provokationen hält Nordkorea die Spannungen hoch.

Am 21. Mai wurde eine weitere Rakete vom nördlich Pyongyang gelegenen Testgelände Pukchang über eine Distanz von 560km in die Japansee geschossen. Diesmal soll es der abschließende Testschuss einer Mittelstreckenrakete vom Typ Pukguksong 2 gewesen sein - eine landgestützte Variante eines bei der Marine auch von U-Booten zu startenden ballistischen Flugkörpers (SLBM). Nach dem erfolgreichen Test soll Diktator Kim Jong-un die Serienproduktion für die Strategischen Streitkräfte befohlen haben.

Der UN-Sicherheitsrat verurteilte die Aktion scharf, konnte sich aber nicht auf weitere Sanktionen verständigen. China schränkte allerdings den zivilen Flugverkehr nach und von Nordkorea weiter ein. Nordkorea dürfte sich davon kaum beeindrucken lassen. Sein immer wieder genanntes politisches Ziel ist die Überführung des 1953 geschlossenen Waffenstillstandes in einen bilateralen (mit Ausklammerung Südkoreas) Friedensvertrag mit den USA, und dies glaubt man am ehesten durch Drohungen mit Raketen und Atomwaffen erreichen zu können. Sicher spielt aber auch die Beschwörung einer möglichst großen militärischen Bedrohung durch die USA innenpolitisch für die Machterhaltung des Regimes eine wesentliche Rolle.

So sind denn weitere provokative Aktionen zu erwarten. Dazu könnte immer noch auch ein - im April geplanter und offenbar auf chinesischen Druck abgesagter - Atomtest gehören. Experten zufolge sind Vorbereitungen am Atomtestgelände Punggye-ri so weit abgeschlossen, dass er jederzeit auch sehr kurzfristig möglich ist.

Während China weiterhin auf verstärkten politischen und wirtschaftlichen Druck auf das Regime in Nordkorea setzt, schließen die USA unverändert auch militärische Optionen nicht aus.
Abend-Flugbetrieb auf 'Carl Vinson' (Foto: US Navy)
Zurzeit operieren zwei US-Flugzeugträger in der Region. Die „Carl Vinson“ Carrier Strike Group wird seit gut zwei Wochen aber nicht mehr „vor Korea“ in der Japansee, sondern im Westpazifik (also vermutlich östlich Japans) gemeldet. Der in Yokosuka (Japan) beheimatete und am 16. Mai dort ausgelaufene Flugzeugträger „Ronald Reagan“ befindet sich im Rahmen seiner schon länger geplanten, routinemäßigen „West Pacific Patrol 2017“ weiterhin in „Gewässern südlich Japans“ (nördliche Philippinensee). Vom Pentagon beim Auslaufen der „Ronald Reagan“ angekündigte „Dual-Carrier Exercises“ mit der „Carl Vinson“ haben bisher offenbar nicht stattgefunden.

In der Region befindet sich vermutlich weiterhin auch das US-U-Boot “Michigan“. Das modifizierte frühere strategische U-Boot der OHIO-Klasse führt anstelle der früheren Atomraketen mehr als 180 Marschflugkörper Tomahawk mit und kann überdies Kampfschwimmer für Kommandooperationen einsetzen.

In den kommenden Tagen planen die US-Streitkräfte einen größeren Raketenabwehrtest. Bei „FTG-15“ soll erstmals überhaupt ein von Kalifornien zu startender, bodengestützter Abwehr-Flugkörper einen über den Pazifik hinweg US-Territorium anfliegenden Zieldarstellungskörper auf seinem mittleren Flugweg (außerhalb der Atmosphäre) abfangen. Der praxisnahe ("threat-representative“) Test soll die Fähigkeit zur effektiven Bekämpfung von Interkontinentalraketen nachweisen.

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RUMÄNIEN

DEUTSCHLAND

Am 23. Mai hat das Segelschulschiff „Mircea“ der rumänischen Marine seine diesjährige Kadetten-Ausbildungsreise begonnen.

Besonderheit bei dieser viermonatigen Reise ist die teils gemeinsame Durchführung mit der Deutschen Marine. Zwar nimmt die rumänische Marine auf ihren Segelschulschiffsreisen schon traditionell immer auch ausländische Kadetten mit (in diesem Jahr je zwei aus Bulgarien, China, Griechenland und Polen), aber erstmals überhaupt werden diesmal 110 deutsche Kadetten 'Mircea' (Foto: rum. Marine)und 13 deutsche Ausbilder auf Teilen der Reise mit an Bord sein. In einer kurzfristigen bilateralen Vereinbarung springt die „Mircea“ für die deutsche „Gorch Fock“ ein, die wegen unvorhergesehener und unaufschiebbarer Reparaturen ihre geplante eigene Reise absagen musste.

In auf wenige Wochen verkürzten Ausbildungszyklen werden die Deutschen während des zweiten Teils der Reise in zwei Kontingenten auf der „Mircea“ eingeschifft: eine erste Gruppe Anfang August von Wilhelmshaven bis Palma de Mallorca, die zweite Gruppe dann von dort bis zum Wiedereinlaufen in Konstanta. Die deutschen Ausbilder dürften sich auf dem rumänischen Segelschulschiff schnell heimisch fühlen. Die „Mircea“ ist wie die deutsche „Gorch Fock“ eine Dreimastbark, nur geringfügig kleiner als diese, und wurde ebenfalls bei Blohm + Voss in Hamburg gebaut – allerdings schon 1938, ganze 20 Jahre vor der „Gorch Fock“.

Die Reise der „Mircea“ führt über fast 10.000 sm in elf Häfen in Mittelmeer, Nordsee, Ostsee und am Atlantik. Auf dem Reiseplan stehen zunächst Ajaccio (Korsika/Frankreich), Vigo (Spanien) und Den Helder (Niederlande), wo die Teilnahme am von der niederländischen Marine vom 22.-25. Juni organisierten Großseglertreffen „Sail Den Helder 2017" geplant ist. In der Ostsee wartet dann der zweite Höhepunkt. Von Halmstadt (Schweden), über Kotka (Finnland) nach Turku (Finnland) wird die „Dreimastbark“ eine Teilstrecke des anlässlich des 100. Jahrestages der Unabhängigheit Finnlands durchgeführten „The Tall Ships Race 2017" mitsegeln. Nach einem weiteren Hafenbesuch in Gdingen (Polen) führt der Rückweg dann über Wilhelmshaven, Lissabon (Portugal), Palma de Mallorca (Spanien) und Chania (Griechenland) zurück nach Konstanta.

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RUSSLAND

Die russische Marine gerät bei ihrer mittel- und langfristigen Planung offenbar finanziell unter Druck.

Die Verteidigungsausgaben der nächsten Jahre müssen nach zähen Verhandlungen mit dem Finanzministerium um gut 15 Prozent zurückgefahren werden; zugleich belasten der Syrieneinsatz und Investitionen in die Infrastruktur in der Arktis den Haushalt offenbar weit höher als gedacht - und haben damit Verdrängungseffekte für geplante Rüstungsprojekte.

Bei einer unter Leitung von Präsident Putin in Sotschi durchgeführten „Konferenz zur Erfüllung des Staatlichen Rüstungsprogramms“ soll beschlossen worden sein, „wegen Fehlens notwendiger Mittel“ mehrere sehr teure Rüstungsprojekte aller Teilstreitkräfte abzubrechen - darunter die Entwicklung eines neuen Flugzeugträgers.
Projekt 'Shtorm' (Modell: KRSC)

2015 hatte das Krylovsky State Research Center (KRSC) mit Projekt 23000E SHTORM einen ersten, noch sehr vorläufigen Designentwurf eines etwa 100.000 ts großen Flugzeugträgers vorgestellt, der 80 – 90 Luftfahrzeugen Platz bieten soll. Für Kampfflugzeuge sind mehrere Startpositionen vorgesehen: zwei bis drei führen wie bisher über eine Bugrampe, zwei weitere dann mit Katapulten über ein abgewinkeltes Flugdeck. Das Design sah noch einen konventionellen Antrieb vor, der - so die russische Marine es denn wünsche - durch einen Nuklearantrieb ersetzt werden könne. Zuletzt war die Auftragserteilung zum Bau für „nach 2025“ angekündigt worden. Die nunmehrige Streichung des Vorhabens wird also erst mittel- bis langfristig größere finanzielle Entlastung bringen.

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SAUDI ARABIEN

Zum von US Präsident Trump in Saudi Arabien vereinbarten „100 Mrd. Dollar Rüstungsdeal“ gehören auch vier Kampfschiffe einer Export-Variante des Littoral Combat Ships (LCS) der FREEDOM-Klasse der US Navy.

Die von Lockheed-Martin zu bauenden Multi-Mission Surface Combatants (MMSC) werden deutlich stärker bewaffnet sein als die LCS der US Navy und wohl auch als Fregatten klassifiziert. Vorgesehen sind landzielfähige Seeziel-FK Harpoon Block-II, Flugabwehr-FK Evolved Sea Sparrow in VLS Mk-41 Senkrecht-Startsystemen, Nahbereichs-Flugabwehrsysteme SeaRAM und jeweils ein 76-mm Geschütz. Das vorgesehene Gefechtsführungssystem COMBATSS-21 beinhaltet zwar einige Komponenten (z.B. das TRS-4D C-Band Radar) des US Aegis Systems, erreicht aber nicht dessen Fähigkeiten.
MMSC (Grafik: Lockheed Martin)

Die Bestellung der vier Schiffe kam übrigens nicht auf Veranlassung von Präsident Trump zustande. Schon 2015 - noch unter Amtsvorgänger Obama - hatten US-Außenministerium und dann auch der US Kongress eine diesbezügliche saudi-arabische Exportanfrage gebilligt.

Für die saudi-arabische Marine sind die vier aus den USA zu erhaltenden neuen Kampfschiffe nur Teil einer größeren Planung zur umfassenden Erneuerung der im Persischen Golf stationierten Ostflotte. Zu diesem Saudi Naval Expansion Program II (SNEP 2) gehören neben den vier MMSC noch sechs Korvetten, 20-24 Patrouillenfahrzeuge, drei Seefernaufklärungs-Flugzeuge und 30-50 Flugdrohnen. Beim SNEP-2 sucht Saudi-Arabien primär den Kontakt zu den USA, ist bezüglich der gewünschten Korvetten aber offenbar auch mit der spanischen Navantia im Gespräch. Bei der zyklischen Erneuerung der im Roten Meer operierenden Westflotte (Projekt „Sawari III“) wird weiterhin Frankreich als Rüstungspartner bevorzugt.

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USA

Der Haushaltsentwurf der US Navy für das Budget 2018 (FY18) bleibt noch weit hinter den Notwendigkeiten für den angekündigten Aufbau einer „350-Schiff-Flotte“ zurück.

Mit Finanzierung für nur acht neue Schiffe und 91 Flugzeuge/Hubschrauber liegt der „FY18 Budget Request“ teils sogar noch unter den Forderungen der Vorgängerregierung unter Präsident Obama. Er weist Mittel aus für einen Flugzeugträger der FORD-Klasse, zwei Zerstörer der ARLEIGH BURKE-Klasse, zwei U-Boote der VIRGINIA-Klasse, ein Littoral Combat Ship und jeweils einen Flottentanker und einen Bergeschlepper. Daneben finden sich 91 Flugzeuge/Hubschrauber (Obama forderte noch 99) sowie die Fortsetzung der Entwicklung neuer strategischer U-Boote der COLUMBIA-Klasse.

Verwunderung herrscht vor allem über die geplante Bestellung nur eines einzigen Littoral Combat Ship. Die Marine hatte mehrfach erklärt, man müsse in den nächsten Jahren jeweils drei dieser Schiffe (mindestens aber je eines der beiden Klassen) bestellen, um die Bauwerften Austal USA und Marinette Marine nicht zu zwingen, wegen Nichtauslastung Fachpersonal abzubauen. Die vollen Kapazitäten beider Werften würden dringend für spätere Neubauprogramme (u.a. Fregatten) benötigt.
Update: Die Trump-Regierung hat einen Tag nach Vorlage des „FY18 Budget Request“ der US Navy im Kongress nachträglich ein zweites Littoral Combat Ship gefordert.

Die US Navy sieht ihre Prioritäten im FY18 weniger in der Bestellung von Neubauten, sondern in der Beseitigung von zunehmend den operativen Betrieb der Flotte beeinträchtigenden Defiziten bei Wartung und Instandsetzung sowie Abbau von Personalfehl. Mit dem Budget FY18 wolle man die Trendwende hin zu erhöhter Einsatzbereitschaft schaffen.

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