Wochenschau

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Auf dieser Seite finden sich aktuelle Nachrichten aus und zu Marinen aus aller Welt, die aus Platzmangel oder wegen kurzfristiger Aktualität in der gedruckten Ausgabe entweder gar nicht erscheinen oder die wir wegen des frühen Redaktionsschlusses dort nicht in angemessenem zeitlichen Zusammenhang darstellen können und daher hier schon einmal vorweg nehmen.
Wir sind bemüht, diese Wochenschau möglichst jeweils Freitags spät nachmittags zu aktualisieren.

Daneben bieten wir interessierten und sprachkundigen Lesern die Möglichkeit, über die nachstehenden Links  auch direkt auf aktuelle Nachrichten der US Navy, der britischen Royal Navy, der französischen Marine und der russischen Marine zuzugreifen.

Für aktuelle Nachrichten aus der Deutschen Marine verweisen wir auf den animierten Link auf der rechten Seite      >>

Beim US-amerikanischen Marine-Nachrichten-Portal SeaWaves findet sich neben vielen anderen Inhalten auch eine Seite mit weltweit geplanten bzw. angekündigten Flottenbesuchen (auch deutscher Einheiten)

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Aktualisiert am 15. Dezember 2017            Nächste und letzte Aktualisierung - voraussichtlich -  am 22. Dezember 2017

Aus organisatorischen und personellen Gründen wird die WOCHENSCHAU demnächst eingestellt.
Die letzte Ausgabe ist am 22. Dezember 2017 geplant

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NAH-/MITTELOST

Die militärische/sicherheitspolitische Lage im Nahen-/Mittleren Osten bleibt von der Bekämpfung des islamistischen Terrors sowie den Bürgerkriegen in Syrien und Jemen bestimmt. Spannungen zwischen Saudi-Arabien und dem Iran dauern ebenso an, wie der politische Streit mehrerer Golfstaaten mit dem Emirat Qatar.

Karte: KFW EntwicklungsbankIm Jemen nutzt die saudi-arabisch geführte Koalition das nach dem Auseinanderbrechen des Bündnisses zwischen Houthi-Rebellen und Milizen des früheren Präsidenten Saleh entstandene „Vakuum“ zu einer militärischen Offensive entlang der Küste des Roten Meeres auf die Hafenstadt Al-Hudeida. Eine Eroberung des für die Houthi-Rebellen zentralen Hafens könnte Beobachtern zufolge auch den Weg zu einer Exit-Strategie im jahrelangen „Stellvertreter-Krieg“ im Jemen öffnen.

Vor dem UN Sicherheitsrat spricht US-Botschafterin Haley von „eindeutigen Beweisen“ dafür, dass mindestens zwei der von Houthi-Rebellen auf Saudi-Arabien geschossenen ballistischen Raketen im Iran hergestellt und von dort an die Rebellen geliefert wurden. Der Iran weist dies natürlich entschieden zurück, spricht von politisch motivierten, aus der Luft gegriffenen Unterstellungen.
 

ISLAMISTISCHER TERROR IN SYRIEN UND IRAK (Fortschreibung)

Bei der Bekämpfung des islamistischen Terrors in Syrien und Irak bestimmen unverändert divergierende Eigeninteressen zahlreicher Staaten sowie die Spaltung zwischen Schiiten und Sunniten die Entwicklung. Dennoch wird der IS aus immer mehr Gebieten verdrängt, inzwischen sogar im Irak und in Syrien von den Regierungen offiziell als „nachhaltig besiegt“ erklärt. Letzteres erscheint allerdings etwas verfrüht.

SYRIEN - IRAK: US-geführte Koalition (Operation „Inherent Resolve“)

Am 10. Dezember feierte der Irak mit einem „nationalen Feiertag“ und einer Siegesparade in Bagdad die „Niederlage des IS“. Offizielle Stellen erklärten allerdings auch, das Ende größerer militärischer Operationen bedeute nicht zugleich auch das Ende des Krieges gegen IS.

Eine US-geführte multinationale Koalition setzt mit Operation „Inherent Resolve“ vorerst Luftschläge gegen islamistische Terrorgruppen in Irak und Syrien fort. Viele Angriffe dienen der direkten Unterstützung (Close Air Support) irakischer Bodentruppen und syrischer (kurdischer) Oppositionsmilizen. Zum Einsatz kommen trägergestützte (USA) sowie landgestützt von Flugplätzen der Golfstaaten, Jordaniens und der Türkei operierende Kampfflugzeuge und Drohnen der Streitkräfte zahlreicher Staaten. Die britische Royal Air Force nutzt ihre Basis in Akrotiri (Zypern).

Der US-Flugzeugträger „Theodore Roosevelt“ setzt seine Kampfflugzeuge weiterhin in Unterstützung der Operation „Inherent Resolve“ ein, ist seit dem 7. Dezember in einer „Dual Operation“ aber zugleich auch in die Afghanistan-Operation „Freedom Sentinel“ eingebunden. Der US-Flugzeugträger wird weiterhin im Persischen Golf gemeldet. Da seine US-Flugzeuge sicher nicht den Iran überfliegen, dürfte er zurzeit im äußersten Süden zu finden sein.
klar zum Start von der 'Roosevelt' (Foto: US Navy)


Die „America“ Amphibious Ready Group (ARG) der US Navy wird weiterhin im Persischen Golf gemeldet. Eingeschiffte Jagdbomber AV-8B Harrier, Kampfhubschrauber Cobra und Viper sowie Schwenkrotorflugzeuge V-22 Osprey des US Marine Corps können bei Bedarf auch über Land (gegen islamistische Terrorgruppen) eingesetzt werden. Das zur „America“ ARG gehörende Docklandungsschiff „San Diego“ operiert abgesetzt vom Verband im Mittelmeer.

Eine im Rahmen der nationalen Mission „Bois Belleau 2018“ verlegte französische Einsatzgruppe mit dem Hubschrauberträger „Tonnerre“ und dem Zerstörer „Chevalier Paul“ hat nach Einschiffung von US-Marineinfanteristen in Aqaba (Jordanien) kurze Übungen vor Jordanien durchgeführt und dann durch das Rote Meer nach Süden verlegt. Der französische Verband ist inzwischen offenbar in die Führungsorganisation von US Navy und US Marine Corps (CentCom/5th Fleet) integriert.
Einschiffung auf der 'Tonnerre' (Foto: USMC)
Am 13. Dezember begannen die beiden Schiffe vor Dschibouti gemeinsam mit Teilen der 15th Marine Expeditionary Unit des US MarineCorps‘ die offiziell als „amphibious combat rehearsal“ bezeichnete, bilaterale Übung „Alligator Dagger“.

Der Anfang Juli mit dem Auslaufen aus San Diego (Kalifornien) begonnene Einsatz der „America“ ARG nähert sich seinem Ende. Bei üblicherweise sechs- bis siebenmonatiger Gesamtdauer der Verlegung und mindestens vierwöchiger Heimreise dürfte der Verband demnächst aus der Golfregion ablaufen. Ablösung soll die in Mayport (Florida) stationierte „Iwo Jima“ ARG bringen. Sie hat am 8. Dezember mit Abschluss einer mehrwöchigen Composite Training Unit Exercise (COMPTUEX) die letzte Komponente ihrer operativen Einsatzvorbereitung beendet und ist klar zum Auslaufen – das vermutlich aber erst nach Weihnachten/Jahreswechsel zu erwarten ist.

SYRIEN: Russland – Türkei

Am 6. Dezember erklärte der russische Generalstabschef offiziell, Syrien sei „vollständig von Terroristen befreit“.

Militärische Operationen gehen auf niedrigerem Niveau aber weiter, wobei Russland nach wie vor keinen wirklichen Unterschied zwischen Islamisten und Oppositionsrebellen macht; alle gegen das al-Assad-Regime aktiven Milizen gelten gleichermaßen als Terroristen. Die Türkei widmet sich in ihrem „Kampf gegen Terrorismus“ bei grenzüberscheitenden militärischen Operationen in Syrien primär der Neutralisierung dortiger kurdischer Milizen, ja soll dabei sogar auch schon mal mit der islamistischen al-Nusra Front kooperieren.

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BÜRGERKRIEG IN SYRIEN (Fortschreibung)

Für Russland ist der militärische Einsatz in Syrien „weitgehend abgeschlossen“.

Putin in Hmeymim (Foto: MoD Russia)Am 11. Dezember besuchte Präsident Putin überraschend die russische Luftwaffenbasis Hmeymim in Syrien (nahe Latakia), traf dort auch den syrischen Machthaber al-Assad. Putin zeigte sich zuversichtlich, dass Syrien mit den „restlichen Terroristen“ allein fertig werde. Russland werde nun etwa zwei Drittel der nach Syrien verlegten Truppen in die Heimat zurückführen; erste Kampfflugzeuge Su-34 verlegten auch schon aus Hmeymim in die Heimat zurück. Man bleibe aber vorbereitet, die syrischen Truppen bei Bedarf weiterhin aktiv zu unterstützen.

Russland wird in Syrien auf der Luftwaffenbasis Hmeymim und im Hafen von Tartus Stationierungsrechte behalten. Für Tartus wurde ein langfristiges bilaterales Abkommen erarbeitet, das Putin am 12. Dezember dem russischen Parlament vorlegte. Es sieht feste Stationierungsrechte für 49 Jahre vor; ohne formellen Widerspruch werde es sich danach automatisch um weitere 25 Jahre verlängern. Russland werde den Hafen zu einem „vollwertigen Marinestützpunkt“ ausbauen und habe das Recht, „so viele Truppen dorthin zu verlegen, wie zu dessen Schutz notwendig seien“. Übrigens soll auch der Iran angeblich Stationierungsrechte in Syrien erhalten haben und dazu auch schon einen Stützpunkt (aus)bauen.

Für Russland rückt nun die politische Zukunft Syriens in den Vordergrund, aber bei striktem Beharren auf einer Lösung „nur mit Machthaber al-Assad“ bleibt der Weg dorthin steinig. Die am 28. November in Genf begonnene (und zwischenzeitlich durch Abreise der syrischen Regierungsdelegation unterbrochene) 8. Runde der von den Vereinten Nationen ausgerichteten Gespräche zu einer politischen Lösung (political settlement talks) wurde am 14. Dezember ohne jede Annäherung der Konfliktparteien beendet. Die Positionen liegen unverändert (zu) weit auseinander. Die Parteien haben in Genf auch noch immer nicht direkt miteinander gesprochen, sondern nur über den ständig zwischen ihnen pendelnden Vermittler.

Russland, der Iran und die Türkei halten als „Garantiemächte“ am Vorschlag eines „Kongresses des Nationalen Dialoges“ in Sotschi (Russland) fest. Das nun im Februar 2018 geplante Vorhaben stößt unverändert auf erhebliche Widerstände einer ganzen Reihe der insgesamt 33 zur Teilnahme eingeladenen Gruppen.

Maritime Aspekte

Im östlichen Mittelmeer operiert weiterhin das von der russischen Schwarzmeerflotte geführte Ständige Mittelmeergeschwader (MedSqn) der russischen Marine. Vor dem Hintergrund der Lageentspannung in Syrien soll der Verband aber deutlich reduziert werden. Möglicherweise wird die sich russische Marine zeitweise auch mit bloßer symbolischer Präsenz durch Hilfsschiffe begnügen.

Einzige Kampfeinheiten sind zurzeit die Fregatte „Admiral Grigorovich“ und der Minensucher „Ivan Golubets“ der Schwarzmeerflotte, sowie immer noch die zwei in der Ostsee für die Schwarzmeerflotte gebauten, neuen U-Boote „Velikiy Novgorod“ und „Kolpino“ (KILO-III-Klasse), die ihre Überführungsfahrt ins Schwarze Meer nun schon vier Monate lang für einen Einsatz zur Unterstützung der MedSqn unterbrochen haben.

'Boykiy' (Foto: MoD Russia)Ein kleiner Verband der Baltischen Flotte mit den Korvetten „Soobrazitelniy“ und „Boykiy“ (beide STEREGUSHCHIY-Klasse) und dem Tanker „Kola“ hat sich wieder auf den Heimweg gemacht. „Soobrazitelniy“ und „Kola“ waren nach nur kurzem Anti-Piraterie-/Präsenz-Einsatz im Golf von Aden am letzten Wochenende wieder ins Mittelmeer zurückgekehrt. Sie trafen sich mit der im Mittelmeer verbliebenen „Boykiy“ noch zu Nachversorgung in Limassol (Zypern) und machten sich am 11. Dezember auf den Rückmarsch in die Ostsee. Am 15. Dezember werden die Schiffe im zentralen Mittelmeer nahe Malta gemeldet.

Die auch als „Syrian Express“ bezeichnete Lieferung von Rüstungsgütern nach Syrien und Nachschub für die dort eingesetzten russischen Truppen wird fortgesetzt, aber auch die Rückführung von Material nach Russland hat begonnen. In die Seetransporte sind zurzeit drei Landungsschiffe der Schwarzmeerflotte, je ein Landungsschiff der Nordflotte und der Baltischen Flotte, sowie drei der acht von der russischen Marine gebraucht gekauften und formell in ihren Bestand übernommenen Frachtschiffe eingebunden.

Parallel zu „Syrian Express“ werden mit gecharterten Frachtschiffen größere Mengen Baumaterial auf dem Seeweg von Russland nach Tartus transportiert, wo der Ausbau des bisher von Russland genutzten Hafenbeckens zu einem vollwertigen Flottenstützpunkt angelaufen ist. Offenbar sind durch die Bauarbeiten die Versorgungsmöglichkeiten in Tartus zurzeit stark eingeschränkt. Russische Marineeinheiten nutzen zunehmend den Hafen von Limassol (Zypern) zur - mit harten Devisen zu bezahlenden - Nachversorgung. Sogar das üblicherweise permanent als schwimmende Reparaturbasis in Tartus an der Pier liegende Werkstattschiff der AMUR-Klasse wurde bereits in Limassol gesehen.

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ARGENTINIEN

Die Suche nach dem seit dem 15. November vermissten U-Boot „San Juan“ bleibt weiterhin erfolglos.

Nach dem am 30. November offiziell verkündeten Ende der „Search & Rescue“ Phase haben die meisten der insgesamt 18 anfänglich an der Suche beteiligten Marinen ihre Einheiten abgezogen. Bei der nunmehrigen „Search & Recovery“ Phase, bei der es nicht mehr um Rettung von Überlebenden, sondern um Auffinden und (falls möglich) Bergen des gesunkenen U-Bootes geht, sind neben der argentinischen Marine offenbar nur noch Spezialschiffe der chilenischen Marine, der britischen Royal Navy und der US Navy vor Ort.

Die argentinische Marine nennt hier ihre Offshore Support Vessel „Islas Malvinas“ und „Puerto Argentino“, sowie die ozeanographischen Forschungs- und Vermessungsschiffe „Cabo de Hornos“ (Chile), „Protector“ (Großbritannien) und „Atlantis“ (USA). Das Spezialschiff „Yantar“ der russischen Marine wird nicht mehr erwähnt. Mit Ausnahme der britischen „Protector“ setzen die an der Suche nach der „San Juan“ beteiligten Schiffe unbemannte, ferngelenkte Tiefseefahrzeuge (DSRV) ein. Die „Protector“ verfügt nicht über solche zur optischen Untersuchung von Objekten in großer Tiefe geeigneten DSRV, trägt aber mit leistungsfähigen Sonaranlagen zur flächigen Suche bei.
'Protector' (Foto: wikimedia)

Zweimaliges systematisches Absuchen des Meeresbodens in einem Gebiet mit 40 km Radius um die vermutliche Untergangsstelle (Ort der georteten Implosion des Druckkörpers) hat bisher nur zwei Wracks gesunkener Fischereifahrzeuge zutage gefördert. Während einige in Tiefen von 700 – 900 m lokalisierte Sonarkontakte noch genauer inspiziert werden müssen, wird das Suchgebiet nun nach Norden erweitert – entlang des angenommenen Kurses der „San Juan“ in Richtung auf den Marinestützpunkt Mar del Plata.

Während die Suche in See fortgesetzt wird, blüht an Land die Gerüchteküche. Britische Sensationsmedien, die bekanntermaßen Schlagzeilen vor Fakten und Wahrheit stellen, berichten, die „San Juan“ habe einen Abstecher zu den Falklandinseln gemacht und sei dort am 3. November von einem britischen UJagdhubschrauber „gejagt“ worden. Das britische Verteidigungsministerium dementiert das als kompletten Blödsinn“. Mehrere internationale Medien behaupten, bei der letzten Grundüberholung der „San Juan“ (2007-14) hätten deutsche Firmen Batterien „minderer Qualität“ geliefert und schlussfolgern daraus eine Ursache für den Brand an Bord und den Untergang des U-Bootes; angeblich soll auch schon eine Untersuchung zu möglicher Korruption eingeleitet worden sein. Offizielle Bestätigungen dafür gibt es bisher nicht.

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AUSTRALIEN

Im Rahmen einer Feier im Marinestützpunkt Garden Island (Sydney) hat die australische Marine (RAN) am 9. Dezember ihre Fregatte „Darwin“ formell außer Dienst gestellt.

In mehr als 33 Dienstjahren hatte die „Darwin“ insgesamt fast 1 Mio. Seemeilen zurückgelegt und dabei mehr als 50 Länder besucht. Insgesamt dienten mehr als 5.000 Männer und Frauen auf ihr. Neben mehreren Einsätzen in der Golfregion unterstützte sie Operationen in Ost-Timor und auf den Salomonen.
'Darwin' (Foto: Michael Nitz)

Nach Ausmusterung der „Darwin“ hat die RAN mit „Melbourne“ und „Newcastle“ nur noch zwei Fregatten der ADELAIDE-Klasse im Bestand. Auch „Melbourne“ (August 2018) und „Newcastle“ (Januar 2019) stehen vor ihrer Ausmusterung und werden künftig auch schon nicht mehr heimatfern eingesetzt. Am 3. Dezember kehrte die „Newcastle“ vom letzten Einsatz einer ADELAIDE-Fregatte in der Golfregion zurück.

Zwischen 1980 und 1993 waren insgesamt sechs Schiffe dieser Variante des US-Typs OLIVER HAZARD PERRY beschafft worden. Vier waren Anfang der 1980er Jahre in den USA gebaut worden; „Melbourne“ und „Newcastle“ folgten fast zehn Jahre später als Lizenzbauten im australischen Williamstown.

Im Gegensatz zu den (inzwischen sämtlich ausgemusterten) typgleichen US-Fregatten, deren FK-Bewaffnung abgerüstet wurde, verfügen die australischen „PERRY“ über Flugkörper sowohl zur Seezielbekämpfung (Harpoon) als auch zur Flugabwehr, ja können nach einer Kampfwertsteigerung von den alten Startern für Flugkörper SM-1 auch moderne SM-2 Block IIIA abfeuern und erhielten überdies (auf dem Vorschiff) zusätzlich ein Vertikalstartsystem für Flugabwehr-FK ESSM (Evolved Sea Sparrow Missile). Mit beiden Systemen verfügen sie über gute Fähigkeiten nicht nur zur Eigenverteidigung, sondern auch zur Verbandsflugabwehr.

Ursprünglich sollten alle sechs ADELAIDE-Fregatten diese Kampfwertsteigerung erhalten. Im Rahmen einer „Anpassung der Verteidigungsplanung“ wurde Ende 2003 jedoch entschieden, diese nur noch für vier Schiffe durchzuführen und - nicht zuletzt auch zur Finanzierung diverser Neubauvorhaben - die zwei ältesten Fregatten „Canberra“ und „Adelaide“ vorzeitig auszumustern.

Die ADELAIDE-Fregatten werden durch die drei neuen für Flugabwehr und Luftraumverteidigung optimierten Zerstörer der HOBART-Klasse abgelöst. Mit der „Hobart“ ist der erste dieser Air Warfare Destroyer in Dienst gestellt, der zweite („Brisbane“) hat kürzlich mit ersten Probefahrten begonnen. Für zwei der alten Fregatten (vermutlich die jüngsten Schiffe „Melbourne“ und „Newcastle“) zeichnet sich ein mögliches „zweites Leben“ ab. Die polnische Marine hat ihr Interesse an einer Übernahme signalisiert.

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DÄNEMARK

Am 11. Dezember hat die dänische Marine im Flottenstützpunkt Korsör ihr drittes Inspektionsschiff der RASMUSSEN-Klasse in Dienst gestellt.

Wie ihre zwei Schwesterschiffe wird auch die nach einem dänischen Geologen und Polarforscher benannte „Lauge Koch“ ihr Einsatzgebiet im Nordatlantik um Grönland und die Färöer finden. Mit Sicherung der Territorialgewässer, Fischereischutz und SAR-Dienst soll sie ein breites Spektrum von Aufgaben wahrnehmen, zu denen auch die materielle und medizinische Versorgung abgelegener (z.B. an der grönländischen Küste) Orte gehört. Ihr eisverstärkter Rumpf erlaubt Fahrten in bis zu 70 cm dickem Eis; sie soll damit bei Bedarf auch begrenzt als Eisbrecher dienen. Ein Landedeck am Heck erlaubt Flugbetrieb mit einem Hubschrauber, für dessen permanente Einschiffung allerdings ein Hangar fehlt.
'Lauge Koch' (Foto: Royal Danish Navy)

Im Dezember 2004 waren bei der Karstensens Skibsvaerft in Skagen zunächst zwei dieser offiziell als „Inspektionsfartoej“ bezeichneten Schiffe bestellt worden, wobei die Rümpfe in Polen gebaut wurden, und der dänische Hauptauftragnehmer dann Fertigstellung und Endausrüstung übernahm. Typschiff „Knud Rasmussen“) wurde im Februar 2008 in Dienst gestellt; Schwesterschiff „Ejnar Mikkelson“ folgte im Januar 2009. Sie ersetzten das 2000 an Estland abgegebene Fischereischutzschiff „Beskytteren“ (dort „Admiral Pitka“) und zwei alte, in den 1970er Jahren aus Fischereifahrzeugen umgebaute „Inspektionskutter“.

Von Beginn an gab es eine Option für noch ein drittes Schiff. Eine Entscheidung sollte eigentlich bis spätestens 2010 fallen, aber erst 2012 fielen im Rahmen der Verteidigungsplanung 2013-2017 die politischen Würfel für seine Beschaffung, und im Dezember 2013 wurde der Bauauftrag für die „Lauge Koch“ unterzeichnet (mit ebenfalls Bau des Rumpfes in Polen). Maßgeblich war dabei die zunehmende strategische Bedeutung der arktischen Regionen für Dänemark und die Notwendigkeit, dort für unter dem Klimawandel zunehmenden Seeverkehr angemessene SAR-Kapazitäten bereit zu stellen. Die drei Schiffe sollen der dänischen Marine aber auch zusätzliche Optionen für die Teilnahme an internationalen Einsätzen in anderen Teilen der Welt geben.

Die Schiffe der RASMUSSEN-Klasse erinnern äußerlich an die früheren dänischen StanFlex-Korvetten der FLYVEFISKEN-Klasse, und sie folgen auch dem bei der dänischen Marine bewährten StanFlex-Konzept, das mit teils containerisierten Modulen kurzfristig eine Optimierung für eine Vielzahl unterschiedlicher Einsatzaufgaben erlaubt. Auf den Neubauten finden sich zwei Positionen für solche Module, von denen eine auf dem Vorschiff für ein (meist auch standardmäßig eingerüstetes) 76-mm Geschütz designiert ist. Mit 1.720 ts sind die „Inspektionsfartoejer“ deutlich größer als die früheren FLYVEFISKEN (450 ts).

Die „Lauge Koch“ ersetzt den am 30. November ausgemusterten, meist um Grönland operierenden letzten alten Inspektionskutter „Tulugaq“. Sie unterscheidet sich im Detail etwas von ihren beiden Schwesterschiffen. So wurden ihre Fähigkeiten zu maritimer Umweltforschung erweitert. Das Schiff erhielt dazu einen Arbeitskran, ein etwas größeres Beiboot, ein Multi-Beam Sonar sowie zusätzliche Unterkunftsbereiche und Arbeitsräume für einzuschiffendes wissenschaftliches Personal.

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KANADA

Das “Canadian Surface Combatant”-Projekt hat wieder einmal den Weg in die Schlagzeilen nicht nur der heimischen Presse gefunden.

Laut Marineplanung sollen 15 neue Kampfschiffe alte inzwischen auch schon ausgemusterte Zerstörer der TRIBAL-Klasse ersetzen und langfristig auch die Fregatten der HALIFAX-Klasse ablösen. Die Anfänge des Vorhabens reichen mehr als zehn Jahre zurück. Ursprünglich wollte man es mit einem Aufwand von ingesamt weniger als 10 Mrd. Euro realisieren. 2008 stockte eine bezüglich der Kosten bereits „skeptisch“ gewordene Regierung kräftig auf und bewilligte einen als Obergrenze zu verstehenden Gesamtumfang von etwa 17 Mrd. Euro.

In der im Juni dieses Jahres durchgeführten jüngsten Kostenschätzung veranschlagt der Rechnungshof nun sogar bis zu 40 Mrd. Euro. Mangelnde Professionalität von “Bürokraten” und fehlende Erfahrung kanadischer Werften hätten zu einer “bloßen Schätzung” der Kosten geführt, die unter politischem Druck viel zu niedrig angesetzt waren. Schlimmer noch: Der als “Obergrenze” festgelegte Finanzrahmen habe jede Nachbesserung verhindert; es habe nie eine Anpassung an aktuelle Entwicklungen (Inflation) gegeben, und die Marine sei einer Überarbeitung von als Kosten-treibend empfundenen taktischen-/technischen Forderungen aus dem Wege gegangen.

2016 entschloss man sich, zur Kostenbegrenzung auf eine Eigenentwicklung zu verzichten und in einer internationalen Ausschreibung Angebote zu ggf. nach nationalem Bedarf zu modifizierenden, fertigen „Off-the-Shelf“-Designs von Kampfschiffen anderer Marinen einzuholen. Nach mehrfachen Verlängerungen war der 30. November dieses Jahres nun letzte Frist für Angebote.

Fachmedien zufolge bietet u.a. Lockheed Martin Canada gemeinsam mit der britischen BAe-Systems das britische TYPE 26 Global Combat Ship an, und Alion Canada möchte gemeinsam mit der niederländischen Damen Schelde Naval Shipbuilding (DSNS) eine Designvariante der niederländischen DE ZEVEN PROVENCIEN-Klasse entwickeln. Die französische Naval Group wollte gemeinsam mit der italienischen Fincantieri mit ins Rennen um den lukrativen Auftrag gehen, „verzockte“ sich aber. Ihr Angebot einer Variante der französisch-italienischen FREMM-Klasse ging offenbar nicht fristgerecht bei der für die Ausschreibung zuständigen Stelle ein, sondern wurde direkt der kanadischen Regierung übermittelt. „Not amused“, sah diese in dem Vorgang den plumpen Versuch einer Umgehung des fairen Wettbewerbes – und schloss Naval Group und Fincantieri kurzerhand von der Ausschreibung aus.
Alion Konzeptdesign für CSC (Grafik: Alion)


Die Entscheidung dürfte wohl zwischen den zwei o.a. genannten Angeboten fallen. Sie wird im kommenden Jahr erwartet, und der Bau des ersten Schiffes könnte nach Abschluss der Designentwicklung etwa 2022 bei der als Hauptauftragnehmer benannten Irving Shipbuilding in Halifax beginnen. Das “Canadian Surface Combatant”-Projekt bleibt aber ein “Hoch-Risiko-Vorhaben”, bei dem Experten davon ausgehen, dass statt der geplanten 15 neuen Kampfschiffe maximal 10 bezahlbar sein werden - und diese auch nur dann, wenn ihr Bau zeitlich gestreckt wird, die Kosten also auf mehr Haushaltsjahre als zurzeit geplant verteilt werden.

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NORDKOREA (Fortschreibung)

Die Lage hat sich nach dem letzten Raketentest (29. November) nicht weiter verschärft, aber auch nicht entspannt.

Für Russland und China sind US-Forderungen nach neuen Sanktionen „kein Thema“, und für die USA ist die von Russland und China geforderte diplomatische Lösung mit einem als Vorleistung geforderten quasi-Bündnisverzicht mit Südkorea indiskutabel. Für Nordkorea wiederum sind weder Atomwaffen- noch Raketenprogramm verhandelbar. So bleibt der von “eingefrorener Diplomatie” und der Drohung mit “militärischen Optionen” geprägte Status vorerst unverändert, wobei neue Raketentests oder auch ein weiterer Atomtest die Lage jederzeit sehr kurzfristig wieder eskalieren können. Jüngste Satellitenbeobachtungen sollen auf Vorbereitungen zu einem neuen Atomtest deuten; angeblich gibt es auch Planungen für den Testschuss einer unter Wasser zu startetenden ballistischen Rakete (SLBM).

Die Haltung der USA ist unklar. Als Außenminister Tillerson von der Möglichkeit „direkter Gespräche ohne Vorbedingungen“ sprach, erklärte das Weiße Haus postwendend, die US-Politik bleibe unverändert. Präsident Trump hat mehrfach betont, dass er Verhandlungen für Zeitverschwendung hält und die Option einer „militärischen Lösung“ offengehalten. Eine scharfe Reaktion Nordkoreas gibt es zu einer Erklärung von US-Außenminister Tillerson, der eher theoretisch vom US-Recht auf eine „komplette Seeblockade“ sprach. Für Nordkorea käme ein solcher Schritt einer „formellen Kriegserklärung“ gleich.

Die Luftwaffen der USA und Südkoreas haben die bilaterale Übung “Vigilant Ace” ohne Zwischenfälle beendetjapanischer Zerstörer 'Chokai' (Foto: Michael Nitz). Für Nordkorea war die “bisher größte” Übung Anlass zu verschärfter Propaganda, aber die Vorwürfe zu “Invasionsvorbereitung” hielten sich im seit Jahren üblichen Rahmen. Die US Navy war nicht beteiligt. Der Flugzeugträger “Ronald Reagan” liegt seit dem 4. Dezember im Heimatstützpunkt Yokosuka (Japan).

Die Marinen Japans, Südkoreas und der USA haben am 11./12. Dezember vor Japan eine Übung zur “Verfolgung ballistischer Flugkörper” durchgeführt. Beteiligt waren der japanische Zerstörer “Chokai”, ein südkoreanischer KDX-III Aegis-Zerstörer und zwei Zerstörer der US Navy (einer davon die “Stethem”). Dies war bereits die sechste derartige Übung seit 2016. Ziel war offenbar eine koordinierte Lagebilderstellung und Übermittlung von Zieldaten zur Raketenabwehr auch an Stellungen an Land.

Medien berichten zunehmend über chinesische Vorbereitungen auf eine militärische Auseinandersetzung. Angeblich würden im Grenzgebiet zu Nordkorea bereits mehrere Flüchtlingslager vorbereitet. Nachdem die chinesische Marine bereits in der Vorwoche umfangreiche Übungen mit live-FK-Schießen im Ostchinesischen Meer durchgeführt hatte, haben am 14. Dezember im Gelben Meer (bis in die Bohai-See hinein) neue Übungen begonnen.
chinesischer Flugzeugträger 'Liaoning' (Foto: offz)
Beteiligt sein soll auch der Flugzeugträger “Liaoning”, und erneut sind FK-Schießen geplant. Solche Übungen gehören auch zum routinemäßigen Jahres-Übungs- und Ausbildungsplan; die meisten regionalen Medien stellen die aktuellen Manöver aber in einen direkten Zusammenhang mit der Lageentwicklung in Nordkorea.

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